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Umsetzungsmöglichkeiten

Eine Ampel mit einem grünen Ampelmenschen. Im Hintergrund Bäume.

Eine Ampel mit einem grünen Ampelmenschen. Im Hintergrund Bäume.
Bildquelle: Jamina Diel/Lian Hüntelmann

... in Lehrveranstaltungen

Die Grafik unten illustriert unterschiedliche Ebenen, auf denen Gender und Diversity in der Lehre verankert werden kann. Sie bewegen sich zwischen den Polen 'fachübergreifend' und 'fachspezifisch'. Diese Pole charakterisieren zugleich auch unterschiedliche Aspekte und Verständnisse von Gender- und Diversitätsstudien.

Auf der einen Seite befinden sich fachübergreifende Studiengänge mit einem Schwerpunkt in Gender- oder Diversitätsstudien: Geschlechter- und Diversitätsforschung sind hier
selbst 'inter- bzw. transdisziplinäre Disziplin'.
Auf der anderen Seite befinden sich
andere Disziplinen, in denen eine Thematisierung von Gender- und Diversityaspekten zwar nicht unabhängig von den Erkenntnissen der interdisziplinären Gender- und Diversitätsforschung erfolgt, jedoch stehen hier stärker die jeweiligen fachspezifischen Zugänge, z.B. Pharmazie, Physik oder Sozialwissenschaften im Vordergrund. Mehr dazu auch unter Fachspezifische Zugänge. Im Bereich zwischen diesen Polen liegen Einbindungsmöglichkeiten auf Studiengangs- und Fachbereichsebene.

Die Ebenen liegen in den Verantwortungsbereichen unterschiedlicher Akteur*innen. Nur durch deren Existenz und Kooperation kann sichergestellt werden, dass Gender und Diversityforschung sowohl in den großen Linien der Hochschule, wie auch im kleinteiligen Alltagsgeschäft der Lehre vertreten sind. In besonderer Weise wichtig für eine strukturelle, nachhaltige Verankerung von Gender und Diversity in Forschung und Lehre sind:

  • Fachprofessuren mit Denomination in Frauen- und Geschlechterforschung/Gender Studies und Denomination von Fachprofessuren, die zur Diversityforschung gehören,
  • Professuren, die zwar keine Denomiation für Frauen- und Geschlechterforschung oder Diversity haben, bei denen jedoch Gender und Diversity zum Anforderungsprofil gehören,
  • Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen mit einem Schwerpunkt in einem Forschungsgebiet aus dem Bereich Gender und Diversity,
  • andere wissenschaftliche Akteur*innen, die in Forschungsprojekten mit einem Schwerpunkt im Bereich Gender und Diversiy arbeiten.
Eine Datenbank mit Fachprofessuren, die eine Genderdenomination haben, d.h. zu deren Aufgabenbereich eine besondere Berücksichtigung von Gender innerhalb ihrer Fachausrichtung umfasst, finden Sie auf der Seite des Margherita-von-Brentano-Zentrum

In der Grafik unten sind die Handlungsfelder, die vor allem eine unmittelbare Lehrtätigkeit tangieren rot markiert. Die weiter rechts oben liegenden Ebenen betreffen stärker auch die Fachbereiche bzw. hochschulweite Einrichtungen und Akteur*innen. Da die Angebote an Universitäten immer vielfältiger werden, oft verschiedenen Ebenen umfassen und sich formal nicht immer trennscharf abgrenzen lassen, ist die Darstellung als einfache Veranschaulichung zu verstehen, und beschreibt keine festen, unveränderlichen Kategorien.

 

Strahl-Integration

Strahl-Integration
Bildquelle: CC Pia Garske BY-NC-SA

Zu den Umsetzungsmöglichkeiten im Einzelnen

In jeder Lehrform und in jedem Fach einsetzbar, und dadurch auch besonders gut fachspezifisch anpassbar sind alle Strategien zur Implementation von Gender und Diversity, die sich auf Ebene der Mikrodidaktik bewegen, also in Ihrem unmittelbaren didaktischen Handeln. Ein Element davon sind Sprache und Kommunikation, dazu finden Sie mehr im Abschnitt Sprache und Kompetenzen. Ein weiteres Element ist die didaktische Methodennutzung. Alle diese Elemente sind auch ohne explizite inhaltliche Verbindung zu Gender und Diversity nutzbar.

Elemente, die stärker mit Lehrinhalten zu tun haben, sind eine gender- und diversitätsbewusste Auswahl von Fallbeispielen, Aufgabenstellungen und Forschungsfragen. Dazu gehört beispielsweise die gender- und diversitätsbewusste Gestaltung von forschendem und problembasiertem Lernen oder die Auswahl von Literatur, die unterschiedliche wissenschaftliche und soziale Perspektiven auf einen Forschungsgegenstand eröffnet – um nur einige Möglichkeiten zu nennen.

Mehr Anregungen für die fachspezifische Gestaltung gender- und diversitätsbewusster Lehre finden Sie unter Inhaltliche Anknüpfungspunkte, Gender- und Diversityforschung und in den Fachspezifischen Beispielen.

Hier können Gender und Diversity durch die Schwerpunktsetzung in einer oder mehreren einzelnen Sitzungen innerhalb eines Seminars, einer Vorlesung oder einer Übung ebenfalls integrativ eingebunden werden. Es empfiehlt sich allerdings, diese Sitzungen nicht isoliert zu behandeln, sondern in den Ablauf der Lehrveranstaltung flüssig einzubinden und immer wieder darauf Bezug zu nehmen. Gender und Diversityaspekte stehen so als eine Perspektive auf das Veranstaltungsthema neben anderen.

Beispiele:

Das Sitzungsthema „Care-Chains als Teil innereuropäischer Arbeitsmigration“ in einem Seminar zur EU-Außenpolitik, das Sitzungsthema „Die Idealtheorie Emmy Noethers zur kommutativen Algebra“ in einer Veranstaltung in der Mathematik, oder „Stereotype in Schulbüchern“ in einer Veranstaltung für Lehramtsstudierende.

Hier können Gender- und Diversityaspekte Gegenstand eigenständiger Seminare, Vorlesungen oder Übungen und Tutorien sein, die im Rahmen eines Moduls angeboten werden, das selbst einen Schwerpunkt im Feld von Gender und Diversity haben kann, aber nicht muss.

Beispiele für diese Art der integrativen Einbindung finden Sie für die Freie Universität Berlin in der AGENDA, die jedes Semester vom Margherita-von-Brentano-Zentrum herausgegeben wird.

Weitere Beispiele finden Sie in der Toolbox unter Good Practice für gender- und diversitätsbewusste Lehre.

Gender und Diversity können aber auch als eigenes Lehr- und Forschungsfeld mit unterschiedlichen Veranstaltungsformen innerhalb eines Studiengangs verhandelt werden, zum Beispiel in Form eines Moduls.

Beispiele für diese Form der Einbindung sind folgende Module an der Freien Universität Berlin:

  • D4: Culture – Gender – Media“ und „Gender, Diversity und Sexuelle Vielfalt im Fachunterricht“ im Masterstudiengang Lehramt für Gymnasien,

  • Negotiating Gender: Constructions, Representations, Theories“ im MA English Studies: Literature – Language – Culture,

  • D: Geschlechterverhältnisse, Lebensformen, Transformationen“ im MA Interdisziplinäre Lateinamerikastudien.


Hier sind Gender und Diversity Gegenstand von Modulen, die speziell für einen Fachbereich entwickelt werden.
Beispiele für diesen Ansatz sind die ABV-Angebote an der Freien Universität Berlin im Bereich Gender und Diversity, die direkt an den Fachbereichen angesiedelt sind, wie bspw. das Modul „BWL und Gender“ im ABV-Bereich der Wirtschaftswissenschaften. Denkbar sind auch Module zu Gender und Diversity, die gleichzeitig in mehrere Studiengänge an einem Fachbereich eingebunden sind (z.B. Module für Lehramts- und Bachelorstudiengänge).

Hier sind Gender- und Diversity zentraler Gegenstand eines Studiengangs, der zwar interdisziplinär ausgerichtet ist, sich jedoch innerhalb verwandter Fächergruppen bewegt – entweder an einem Fachbereich, einer Fakultät, oder in Kooperation mehrerer Fachbereiche. Die Methoden, mit denen gelehrt und geforscht werden, können variieren, sind sich jedoch ähnlich, die Fachdiskurse überschneiden sich häufiger, das Angebot kann eine Mischung sein aus fachübergreifenden, in Teilen integrativen und (partikular-)expliziten Ansätzen.
Beispiel für eine solche Einbindung wäre z.B. der zukünftige Masterstudiengang ‚Gender and Diversity‘ am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften der Freie Universität Berlin oder der ehem. Masterstudiengang ‚Gender- und Diversitykompetenz‘. Das Lehrangebot wird hier häufig aus den Lehrangeboten der beteiligten Fachbereiche mitgespeist, und erweitert umgekehrt lokale Angebote um spezifische Perspektiven der Gender- und Diversityforschung.

Möglichkeiten der Einbindung ohne Studiengang, die ebenfalls häufig fachübergreifend sind, sind Zertifikate für Gender und Diversity oder angrenzende Themenfelder. Studierende können hier – zusätzlich oder mit spezifischem Bezug zu ihrem Fach oder ihrem Forschungsgebiet – Kenntnisse im Bereich interdisziplinärer Geschlechter- und Diversitätsstudien erwerben. Die Zertifikate, wie sie etwa im Rahmen von Gender Pro Mint an der TU Berlin oder dem Gender-Diversity-Zertifikat an der Leuphana-Universität Lüneburg angeboten werden, sind auf vielfältige Art mit dem regulären Studienangebot verknüpfbar.

Ähnlich den Zertifikaten lassen sich Gender und Diversityangebote auch in hochschulübergreifenden Modulen, wie etwa an der Freien Universität Berlin, organisieren. Das Margherita-von-Brentano-Zentrum bietet für Bachelorstudierende im Rahmen der Allgemeine Berufsvorbereitung (ABV) im Kompetenzbereich Gender- und Diversitykompetenz wahlweise drei Module an:

  • Modul „Gender und Diversity: Zentrale soziale Kategorien im 21. Jahrhundert”

  • Modul „Gender, Diversity und Gender Mainstreaming”

  • Modul „Diversity Management”

Mehr zum aktuellen Angebot auf den Seiten des Margherita-von-Brenatano-Zentrums

Eine weitere fachübergreifende Methode, Gender und Diversity in Forschung und Lehre zu integrieren, sind eigenständige, häufig stark interdisziplinär angelegte Studiengänge, die alleine oder in Kombination mit bestimmten Schwerpunktfächern studiert werden können.
Beispiele für diese Art der Lehre und Forschung ist das BA/MA- Angebot des ZtG der Humboldt-Universität zu Berlin, die BA/MA-Angebote der Koordinationsstelle Geschlechterforschung der Georg-August-Universität Göttingen, oder der BA Gender and Diversity Studies der Hochschule Rhein-Waal. Mehr dazu finden Sie in der Zusammenstellung von Studiengängen zur Frauen- und Geschlechterforschung/Gender Studies in deutschsprachigen Ländern beim Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien oder beim Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW.

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