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Gender- und diversitätsbewusste Sprache in der Lehre

Sprache spielt im Lehralltag eine große Rolle. Sie ist – ob gesprochen, in Form von Texten oder als Körpersprache – die zentrale Kommunikationsform zur Vermittlung von und Verständigung über Lehrinhalte. Sprache stellt Beziehungen zwischen Personen her. Sie transportiert Normen, Ideen und Vorstellungen und prägt so unser Bewusstsein. Dinge, für die wir Worte haben, können wir uns besser vorstellen. Wie Wirklichkeit beschrieben wird, z.B. eine Person oder ein Beruf, hat großen Einfluss darauf, wie wir diese Wirklichkeit wahrnehmen und was wir glauben, darin bewirken zu können.

Alte Drucklettern (Druckbuchstaben) aus Holz in verschiedenen Farben und Größen.

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Bildquelle: CC0 https://unsplash.com/@amadorloureiroblanco

Drei gute Gründe für gender- und diversitätsbewusste Sprache

  • Sichtbarkeit herstellen: Die Anwesenheit und die Leistungen aller Mitglieder der Universität anerkennen und auch sprachlich abbilden.
  • Alle ansprechen: Studierende und andere Mitglieder der Universität so adressieren, dass sich alle wahrgenommen und wertgeschätzt fühlen.
  • Stereotype Darstellung und Diskriminierung vermeiden: Eine Sprache verwenden, die Menschen nicht verletzt, herabsetzt oder als „exotisch“ darstellt, sondern wertschätzt und anerkennen.

Genderbewusste Sprache im Wandel

Sprache verändert sich andauernd, z.B. indem neue Wörter hinzukommen und andere aus dem Sprachgebrauch verschwinden. Ein Teil des sprachlichen Wandels entsteht durch Interventionen gegen sprachliche Diskriminierung. Die Vorstellungen davon, wie genderbewusste Sprache aussieht, hat sich in den letzten 50 Jahren auch verändert.

Lange richtete sich das Engagement für geschlechtergerechte Sprache gegen die sprachliche Diskriminierung von Frauen durch die ausschließliche Verwendung der männlichen Form. Gerade in wissenschaftlichen Publikationen wurde diese Praxis häufig durch eine Fußnote ergänzt, laut der Frauen mitgemeint seien und dass aus Gründen der Lesbarkeit oder Ästhetik auf geschlechtergerechte Sprache verzichtet werde. 

Wenn in gesprochener oder geschriebener Sprache ausschließlich die männliche Form (das generische Maskulinum) verwendet wird, entsteht bei Zuhörenden oft der Eindruck, dass es sich bei den beschriebenen Personen ausschließlich um Männer handelt. Luise F. Pusch demonstriert das in dem Satz:„99 Sängerinnen und ein Sänger sind zusammen 100 Sänger“ (Pusch 1990). 

Welche Bilder haben Sie vor Augen, wenn Sie Formulierungen wie „Tutoren gesucht“ oder „talentierte Nachwuchswissenschaftler“ lesen oder hören? 

Mittlerweile haben verschiedene empirische Untersuchungen gezeigt, dass das generische Maskulinum Einfluss auf die Bilder in unseren Köpfen hat und eine verzerrte Vorstellung von Wirklichkeit erzeugt. Das ist deshalb problematisch, weil Frauen* und ihre Leistungen auf diese Weise unsichtbar gemacht werden. Zum Beispiel in Bezug auf Vorbilder, Selbstwirksamkeit oder unsere Vorstellung davon, wer in dieser Gesellschaft von Bedeutung ist, kann Sprache großen Einfluss haben. Daher sollten wir an Hochschulen sprachlich genau sein und das diskriminierende generische Maskulinum vermeiden. Die Verständlichkeit, im Sinne der Erinnerung an Inhalte, leidet darunter nachweislich nicht. 

Für die Vermeidung des generischen Maskulinums gibt es auch rechtliche Grundlagen. In der gemeinsamen Geschäftsordnung der Berliner Verwaltung ist eine sprachliche Gleichbehandlung von Frauen und Männern festgehalten (GGO I, § 2 Abs. 2). Auch die Freie Universität Berlin hat sich 1990 mit dem Erlass der Frauenförderrichtlinien (FFR, § 29 Abs.2) zur Verwendung einer geschlechtsneutralen Sprache verpflichtet.

Seit der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur „dritten Option“ 2017 ist das Bewusstsein für die reale Vielfalt von Geschlechtsidentitäten gewachsen. Geklagt hatte eine Person, die sich durch keinen der bisher rechtlich möglichen Personenstandseinträge („weiblich“ oder „männlich“) repräsentiert sah. Das Gericht stimmte der Klage zu und skizzierte entweder die vollständige Abschaffung des Geschlechtseintrags oder eine dritte Option des Geschlechtseintrags als verfassungsrechtlich zulässig. Diese müsse zwingend positiv sein, denn eine Leerstelle als Geschlechtseintrag (wie sie seit 2013 bei inter* Kindern bereits bis zum 18. Lebensjahr möglich ist) sei keine adäquate Lösung. Daraufhin wurde 2018 „divers“ als dritte Option des Personenstands für Menschen, die sich nicht weiblich oder männlich identifizieren, eingeführt. 

Dabei ist die Erkenntnis, dass es nicht nur zwei Geschlechter gibt, natürlich viel älter: Menschen, die sich als nicht-binär, trans* oder inter* identifizieren, weisen schon lange auf ihre Marginalisierung und Diskriminierung – nicht nur auf sprachlicher Ebene – hin. 

Durch den neuen Personenstand „divers“ ist im Alltag deutlicher geworden, was gendertheoretisch unter dem Fachbegriff „Konstruktion der Zweigeschlechtlichkeit“ verhandelt wird. Wenn wir alle Menschen aufgrund ihres Vornamens oder Aussehens als weiblich oder männlich einteilen, dann sind wir damit an der alltäglichen Herstellung der zweigeschlechtlichen Norm beteiligt. Diese Geschlechtskategorisierung äußert sich beispielsweise in der Anrede mit „Herr“ oder „Frau“ sowie in der Verwendung der Personalpronomen „er“ oder „sie“. Die Verunsicherung, die durch die neue Option „divers“ entstanden ist, stellt  zugleich eine große Chance für einen respektvollen Umgang miteinander dar. Sie verdeutlicht nämlich, dass wir aufgrund des Namens oder Aussehens von Personen überhaupt nicht auf ihre Geschlechtsidentität schließen können. Wenn Sie also nicht wissen, wie Ihr Gegenüber angesprochen werden möchte oder eine Gruppe von Menschen ansprechen, sind neutrale oder inklusive Formulierungen am besten geeignet.

Die sprachliche Sichtbarmachung von Frauen durch sogenannte Beidnennung wie „Schülerinnen und Schüler“ oder Schüler/-innen, war eine wichtige geschlechterpolitische Forderung und hat zur Sensibilisierung für die Macht von Sprache beigetragen. Allerdings führt sie wiederum dazu, dass Menschen jenseits der zweigeschlechtlichen Norm unsichtbar gemacht und diskriminiert werden. Daher wird sie in der 'Toolbox Gender und Diversity in der Lehre' nicht mehr als Alternative zum generischen Maskulinum vorgestellt.


Genderbewusste Sprache in der Praxis

Es gibt nicht eine richtige Lösung für gender- und diversitätsbewusste Sprache. Im Folgenden erfahren Sie, worauf Sie achten sollten und lernen verschiedene Möglichkeiten des kreativen Gebrauchs von Sprache kennen, die alle Adressierten benennt. Geschickte und inklusive Formulierungen zu finden, hat auch viel mit Routine zu tun und fällt mit der Zeit immer leichter.

- mit und über Einzelpersonen sprechen

Auf Grundlage des Aussehens oder Vornamens einer Person, können Sie nicht wissen, wie diese angesprochen werden möchte. Auch wenn Sie eine Person beispielsweise als Mann wahrnehmen, kann es sein, dass die Person sich als divers identifiziert oder mit „Frau (Nachname)“ angesprochen wird. Das steht in einem Widerspruch mit der Praxis an Hochschulen, Personen mit „Herr (Nachname)“ bzw. „Frau (Nachname)“ anzusprechen und auch so über Dritte zu sprechen – in der bloßen Annahme, dass die dabei vorgenommene Kategorisierung korrekt sei. 

Das sind keine theoretischen Überlegungen: Für Personen, die regelmäßig falsch adressiert werden, weil sie z. B. weder als „er“ oder „sie“ bezeichnet werden wollen, kann dies eine große Belastung darstellen. 3,3 % der Bevölkerung identifzieren sich als trans*, inter* oder nicht-binär und sind dadurch von struktureller und individueller Diskriminierung betroffen. Sie können zu einer von Respekt und Antidiskriminierung geprägten Organisationskultur beitragen, indem Sie Ihren Umgang mit Sprache überdenken und verändern.

Akzeptieren Sie unbedingt, wenn eine Person Ihnen mitteilt, wie sie angesprochen werden möchte und halten Sie sich konsequent daran. Wenn Sie die Person bislang anders angesprochen haben, ist eine Umgewöhnung nicht immer leicht. Versuchen Sie anfangs, sich beim Sprechen besonders zu konzentrieren oder „üben“ Sie für sich. Sie können auch im Team besprechen, dass sie sich gegenseitig korrigieren, um diese Aufgabe nicht der betroffenen Person zu überlassen. Entschuldigen Sie sich, wenn Sie die Person aus Versehen falsch angesprochen haben. Sprechen Sie mit der Person ab, ob Sie auch anderen (z. B. Personen aus Ihrem Team) die gewünschte Ansprache mitteilen dürfen oder sollen. Teilen Sie nie ohne dringende Notwendigkeit und Rücksprache mit der betroffenen Person einen nicht mehr genutzten Vornamen mit – das ist diskriminierend und unter Umständen rechtlich explizit verboten (Offenbarungsverbot nach § 5 TSG).

Informieren Sie andere, wie Sie selbst gerne angesprochen werden möchten. Sagen Sie beim Kennenlernen nicht nur Ihren Namen, sondern auch Ihr Pronomen oder machen dazu eine Anmerkung in Ihrer E-Mail-Signatur. Damit signalisieren Sie ein Bewusstsein für genderbewusste Sprache und signalisieren Offenheit, Ihnen eine gewünschte Ansprache mitzuteilen.

Beispiel für E-Mail-Signatur:

  • Wie Menschen angesprochen werden möchten, ist weder aus dem Aussehen noch aus dem Namen verlässlich abzuleiten. Gerne können Sie mir mitteilen, wie ich Sie ansprechen soll. Wenn Sie mich ansprechen, verwenden Sie bitte das Pronomen sie/ihr.

Fragen Sie Ihre Gesprächspartner*innen, wie diese angesprochen werden möchten. In der Lehre können Sie in die Vorstellungsrunde die Methoden „Pronomenrunde“ integrieren: Teilen Sie, wenn Sie sich selbst vorstellen, Ihr Pronomen mit (z.B. er, sie, Vorname statt Pronomen) und bitten Sie die Studierenden, auch ihr Pronomen zu nennen.

Wenn Sie über eine andere Person sprechen, verwenden Sie den Vornamen oder Vor- und Nachname statt „er/sie“.

Beispiel:

  • Wie Serkan Aslan eben vorgeschlagen hat

Vereinbaren Sie nach Möglichkeit das sogenannte Hamburger Sie. Es bedeutet, sich zu siezen, aber sich statt „Herr/Frau (Nachname)“ mit Vornamen anzusprechen. Gerade in der Kommunikation mit Studierenden funktioniert diese Variante sehr gut und Sie vermeiden eine vergeschlechtlichte Anrede.

Beispiel:

  • Lamine Strohmeier, könnten Sie bitte die Ergebnisse Ihrer Arbeitsgruppe vorstellen

Die hierarchische Struktur an Hochschulen erschwert bisweilen, neue Routinen der genderbewussten Sprache zu etablieren. Die Verwendung von Vor- und Nachnamen wird beispielsweise manchmal, auch in Kombination mit akademischen Titeln, als zu informell wahrgenommen. Sprechen Sie mit Kolleg*innen über gute Alternativen oder schlagen Sie für das gesamte Team eine Weiterbildung zu genderbewusster Sprache vor, damit Sie nicht alleine verantwortlich sind. 

Durch die gesetzliche Einführung der „dritten Option“ stehen Hochschulen auch in der Verantwortung, diverse Personen gleich zu behandeln und nicht aufgrund des Personenstands zu diskriminieren. Die Freie Universität Berlin hat hier, wie nahezu alle anderen deutschen Hochschulen auch, noch einige Aufgaben zu lösen. 

- mit und über Gruppen von Personen sprechen

Häufig kennen Sie häufig nicht die Geschlechtsidentität aller Personen einer Gruppe. Dennoch können Sie respektvoll und korrekt mit und über diese Personen sprechen, indem Sie aus den folgenden Alternativen jeweils passende Formulierungen auswählen.

Wenn ausschließlich über Frauen oder Männer gesprochen oder geschrieben wird, sollte das auch in der Formulierung zum Ausdruck kommen. 

Beispiele:

  • Unser heutiger Gast ist Professorin der Physik
  • Als Vizepräsidentin begrüße ich Sie ganz herzlich bei dem diesjährigen Empfang für neuberufene Professorinnen. 
  • Übersicht der bisherigen Präsidenten der Freien Universität Berlin

Eine gute und auch textsparsame Möglichkeit geschlechterbewusster Formulierung ist die Verwendung substantivierter Partizipien. Sie ist vor allem im Plural leicht verwendbar. Im Singular empfehlen sich andere Formulierungen.

 Beispiele:

  • Die Universitäts-KiTa steht allen Mitarbeitenden und Studierenden der Universität zur Verfügung.
  • Lehrende können sich jetzt für das Weiterbildungsprogramm im Sommersemester anmelden.
  • Interessierte wenden sich bitte an die Koordinationsstelle.
  • Liebe Teilnehmende des Workshops

Eine andere Möglichkeit, Personen zu bezeichnen, ohne Aussagen über ihre geschlechtliche Zuordnung zu treffen, sind Benennungen der Funktion, in der Personen etwas tun. So bietet es sich an, Erweiterungen wie „-kraft, -hilfe, -person, -ung, -leute“ zu verwenden.

 Beispiele: 

  • Sehr geehrtes Team des Prüfungsbüros
  • [Vorname, Nachname], Mitglied der Auswahlkommission, trat nach der Sitzung vor die Presse.
  • Personen, die sich beworben haben, erhalten umgehend eine Bestätigung.
  • Die Seminarleitung führt eine Redeliste.
  • In diesen Feldern gibt es eine Fülle an qualifizierten Fachleuten.
  • Für die Promotion brauchen Sie zunächst eine geeignete Betreuung.
  • Informationen erhalten Sie bei der Leitung des Dual Career Service.

Viele Menschen wollen oder können sich einer Norm von nur zwei Geschlechtern nicht zuordnen und werden mit Formulierungen wie „Bewerberinnen und Bewerber“ nicht korrekt adressiert. Der Unterstrich (Gender-Gap) bzw. das Sternchen bietet die Möglichkeit, nicht nur Frauen und Männer, sondern auch nicht-binäre, sowie Trans*- und Inter*-Personen sichtbar zu machen, die jenseits von „männlich“ und „weiblich“ existieren. Beide Formen werden mit einem „glottalem Stopp“ gesprochen, einer kurzen Pause dort, wo sich Unterstrich oder Sternchen befinden.

Beispiele:

  • Sehr geehrte Professor*innen
  • Alle teilnehmenden Praktikant_innen erhalten eine Bestätigung.
  • Informationen für Referent*innen 

Umformulierungen oder einleitende Nebensätze können genutzt werden, um eine eindeutige sprachliche Geschlechtszuordnung zu vermeiden. Unpersönliche Pronomen wie „Wer“, „Wenn“, „Alle, die...“, „Diejenigen, die...“ sowie die direkte Anrede und Passivformulierungen können dafür genutzt werden. Auch die Verwendung des Plurals ist in vielen Fällen hilfreich.

Beispiele:

  • Wenn Sie ein Stipendium erhalten, müssen Sie Ihre Leistungsnachweise in jedem Semester vorlegen.
  • Das Dokument wird Ihnen zum Download zur Verfügung gestellt.
  • Ihr Name, Ihre Unterschrift
  • Die Namen aller Personen, die zur Prüfung zugelassen sind, werden öffentlich bekannt gegeben.
  • Herausgegeben von…
Empfehlenswerte Leitfäden zu genderbewusster Sprache
Sprache ist vielfältig – Leitfaden der HU für geschlechtergerechte Sprache (Humboldt-Universität zu Berlin, 2019)
ÜberzeuGENDERe Sprache. Leitfaden für eine geschlechtersensible Sprache (Universität zu Köln, 2020)
Empfehlungen für eine geschlechtergerechte Verwaltungssprache
 (Stadt Hannover, 2019)
Geschlechtersensible Sprache – Ein Leitfaden (Technische Universität Berlin, 2020)

Diversitätsbewusste Sprache

Sprachliche Gleichstellung ist nicht nur in Bezug auf Geschlechter anzustreben, sondern auch in Bezug auf andere Kategorien von Diversität und Ungleichheit, die in der Universität eine Rolle spielen. Auch hier ist es sinnvoll, wertschätzend und inklusiv zu formulieren und diskriminierende Formulierungen oder Begriffe mit kolonialer oder NS-Geschichte zu vermeiden.

Hier finden Sie eine Auswahl an Möglichkeiten, in der eigenen Sprache und bei der Auswahl von (Lehr-)Texten diversitätsbewusst vorzugehen:

Wenn Sie unschlüssig sind, welche Bezeichnungen zur Beschreibung von Menschen oder sozialen Gruppen geeignet sind, verwenden Sie im Zweifel Selbstbezeichnungen, wie sie von Vereinen und Interessengruppen empfohlen werden, statt Fremdbezeichnungen

Viele Interessengruppen und Verbände bieten Leitfäden und Ratgeber zum Umgang mit Sprache an, etwa in Bezug auf Rassismus, BeHinderung, geschlechtliche Identität und Trans*. Sie geben Aufschluss über Hintergründe und gebräuchliche Selbstbezeichnungen und enthalten weitere Hinweise zum diversitätssensiblen Umgang mit Sprache.

 

Literatur:

Projekt Lern- und Erinnerungsort Afrikanisches Viertel (LEO) beim Amt für Weiterbildung und Kultur des Bezirksamtes Mitte von Berlin und Elina Marmer. Hg. Autor*innenkollektiv. 2015. Rassismuskritischer Leitfaden. Berlin.

Redaktion Leidmedien. 2012. Leidfaden.

AntiDiskriminierungsBüro Köln, Öffentlichkeit gegen Gewalt e.V. Hg. Nacro, Sanata, Larissa Fuhrmann, und Ilka Simon. 2013. Leitfaden für einen rassismuskritischen Sprachgebrauch. Handreichung für Journalist_innen.

Triq - TransInterQueer e.V. Hg. 2014. Trans* in den Medien. Informationen für Journalist_innen.

Neue Deutsche Medienmacher. 2018. Glossar.

Beim Sprechen und Schreiben über marginalisierte Gruppen kommt es vor, dass ein Merkmal sprachlich in den Vordergrund gerückt wird und so unterschiedliche Facetten von Personen und auch die Heterogenität der Personengruppe vernachlässigt werden. Deshalb ist es mittlerweile üblicher, von ‚Menschen mit Behinderung‘ statt von ‚Behinderten‘ zu sprechen. Die auch in dieser Toolbox gewählte Schreibweise ‚BeHinderung‘ mit einem Großbuchstaben in der Mitte des Worts soll sichtbar machen, dass Menschen aufgrund gesellschaftlicher Hürden weniger partizipieren können, also beHindert werden.

Handlungsfähigkeit und Kompetenzen von Menschen können sprachlich stärker in den Mittelpunkt gerückt werden, indem Sie Formulierungen vermeiden, die BeHinderung als Schicksal darstellen. Vermeiden Sie „Trotzdem“-Formulierungen und Opfer-Zuschreibungen. Thematisieren Sie BeHinderung als einen Aspekt von Personen, nicht als persönlichkeitsbestimmend.

 

Literatur:

Redaktion Leidmedien. 2012. Leidfaden.

Nicht nur in Bezug auf geschlechterbewusste Sprache bedeutet eine auf den ersten Blick neutrale, unspezifische Darstellung oft, dass die Beiträge von marginalisierten Personen oder Gruppen oder Ursachen für Diskriminierung unsichtbar werden. Benennen Sie daher handelnde Subjekte, Interessen und existierende Konflikte sprachlich eindeutig.

 

Beispiele:

  • „Marie Curie entdeckte die Elemente Polonium und Radium" statt „1898 wurde das Element Polonium entdeckt“.
  • „In den Kolonialgebieten erhoben sich Herero und Nama 1904 zu anti-kolonialen Widerstandskämpfen“ statt „in den Kolonien lieferten sich Deutsche und Einheimische kriegerische Auseinandersetzungen“.
  • Menschen mussten Deutschland nach 1933 nicht deshalb verlassen, „weil sie Juden waren“, sondern „wegen des für sie immer gefährlicher werdenden Antisemitismus“. (Lebert/Zeug/Hornscheidt 2016)

Machen Sie auch in Literaturverzeichnissen die Urheber*innenschaft von Texten deutlich, indem Sie die Vornamen der Autor*innen ausschreiben.

 

Literatur:

AntiDiskriminierungsBüro Köln, Öffentlichkeit gegen Gewalt e.V., Hrsg., Nacro, Sanata, Larissa Fuhrmann, und Ilka Simon. 2013. Leitfaden für einen rassismuskritischen Sprachgebrauch. Handreichung für Journalist_innen.

Lebert, Andreas, und Katrin Zeug. 20.07.2016. Lann Hornscheidt: „Es ist eine Frage der Zeit, bis wir bei der Geburt kein Geschlecht mehr zugewiesen bekommen“. Die Zeit.

Projekt Lern- und Erinnerungsort Afrikanisches Viertel (LEO) beim Amt für Weiterbildung und Kultur des Bezirksamtes Mitte von Berlin und Elina Marmer, Hrsg., Autor*innenkollektiv. 2015. Rassismuskritischer Leitfaden. Berlin.

Begriffe verändern sich im Laufe der Zeit. Einige sprachliche Wendungen, die vor ein paar Jahren noch viele Menschen verwendeten, sind nun allgemein als diskriminierend anerkannt und können vermieden werden. Dazu gehören unter anderem Verniedlichungen, Klischees, exotisierende und diskriminierende Begriffe. Es gibt für viele diskriminierende Begriffe gute sprachliche Alternativen. Diskriminierende Ideen und unnötige Phrasen können aber auch ersatzlos weggelassen werden.

Überlegen Sie, was Sie genau ausdrücken wollen, und welche Formulierungen Sie dafür brauchen.

 

Beispiele für Formulierungen, mit denen Sie Handlungsfähigkeit betonen und Menschen nicht herabsetzen, könnten sein:

„mutig und verantwortungsbewusst handeln“ statt „seinen Mann stehen“,

„Reinigungskraft“ statt „Putze“,

„Menschen, die Rollstühle benutzen“ oder „Rollstuhlfahrer*innen“ statt „Menschen, die an den Rollstuhl gefesselt sind“,

„Geflüchtete“ statt „Flüchtlinge“.

Statt unspezifisch den ganzen afrikanischen Kontinent aufzurufen, könnten Sie zutreffender konkrete afrikanische Staaten benennen – ‚Afrika‘ ist kein Land.

Die Operationen, die manche Trans*personen durchführen lassen, werden „geschlechtsangleichende Operationen“ genannt.

Phrasen wie „das schöne Geschlecht“, „das starke Geschlecht“ oder „der schwarze Kontinent“ können ersatzlos gestrichen werden.

 

Literatur:

Arndt, Susan, Hrsg. 2006. AfrikaBilder. Studien zu Rassismus in Deutschland. Studienausgabe. Münster: Unrast-Verlag. Link zum Inhaltsverzeichnis.

Arndt, Susan, und Lann Hornscheidt, Hrsg. 2009. Afrika und die deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk. 2. Aufl. Münster: Unrast Verlag. Link zum Inhaltsverzeichnis.

Arndt, Susan, und Nadja Ofuatey- Alazard, Hrsg. 2011. Wie Rassismus aus Wörtern spricht. (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk. 1. Aufl. Münster: Unrast-Verlag. Link zum Inhaltsverzeichnis.

Initiative intersektionale Pädagogik. o.J. Respect Guide. Leitfaden für einen respektvollen Umgang miteinander. 

Triq - TransInterQueer e.V., und Leo Yannick Wild, Hrsg. 2014. Trans* in den Medien. Informationen für Journalist_innen.

Neue Deutsche Medienmacher. 2018. Glossar.

Sprache selbst kann eine Barriere sein, wenn die verwendete Sprache nicht die Erstsprache ist oder eine BeHinderung eine bestimmte Nutzung von Sprache erfordert. Auch hier sind generalisierte Vorschläge schwierig, da Bedarf und Handlungsspielräume individuell unterschiedlich sind. Einiges lässt sich jedoch in allen Lehrveranstaltungen gut umsetzen:

  • Visualisieren Sie mündliche Informationen und versprachlichen Sie Grafiken oder Bilder.
  • Fragen Sie Ihre Studierenden, ob Sie gut zu verstehen sind und bitten Sie darum, Sie darauf hinzuweisen, wenn Sie lauter oder langsamer sprechen sollen.
  • Bieten Sie unterschiedliche Möglichkeiten der Beteiligung an, die über das Sprechen vor allen Teilnehmenden hinausgehen. Mehr hier: Didaktische Prinzipien.
  • Signalisieren Sie auch explizit Offenheit für die Nutzung von FM-Übertragung oder Nutzung anderer technischer Hilfsmittel und bieten dazu ggf. einen Sprechstundentermin an. Informationen zum Angebot an der Freien Universität Berlin finden Sie hier.

In der Wissenschaft wird eine Fachsprache genutzt und ein wichtiges Ziel des Studiums ist es, sich diese anzueignen und Fachbegriffe korrekt zu verwenden. Versuchen Sie dennoch, insbesondere beim Sprechen, unnötig lange Sätze zu vermeiden, wichtige Punkte zu wiederholen und Inhalte auch in unkomplizierter Sprache zu vermitteln. Auch wenn es um organisatorische Prozesse an der Hochschule geht, wie Anmeldungs- oder Prüfungsverfahren, ist das für viele Studierende hilfreich und reduziert Nachfragen und Missverständnisse.

 

Literatur:

Deutsches Studentenwerk, 2013. Informationen für Studieninteressierte und Studierende mit Behinderungen und chronischen Krankheiten.

Webseite des Netzwerks Leichte Sprache.

Di³ im Rahmen des Programms „Starker Start ins Studium“ und Studien-Service-Center der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Hrsg. 2014: Barrierefreies Studium. Leitfaden für Lehrende der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Literatur

AntiDiskriminierungsBüro Köln, Öffentlichkeit gegen Gewalt e.V. (Hg.) Nacro, Sanata, Larissa Fuhrmann, und Ilka Simon. 2013. Leitfaden für einen rassismuskritischen Sprachgebrauch. Handreichung für Journalist_innen.

Arndt, Susan (Hg.) 2006. AfrikaBilder. Studien zu Rassismus in Deutschland. Studienausgabe. Münster: Unrast-Verlag.

Arndt, Susan; Hornscheidt, Lann. (Hg.) 2009. Afrika und die deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk. 2. Aufl. Münster: Unrast Verlag.

Arndt, Susan; Ofuatey- Alazard, Nadja. (Hg.) 2011. Wie Rassismus aus Wörtern spricht. (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk. 1. Aufl. Münster: Unrast-Verlag.

Braun, Friederike; Oelkers, Susanne; Rogalski, Karin; Bosak, Janine; Sczesny, Sabine. 2007. „Aus Gründen der Verständlichkeit...“. Der Einfluss generisch maskuliner und alternativer Personenbezeichnungen auf die kognitive Verarbeitung von Texten. Psychologische Rundschau 58, 183-189.

Boroditsky, Lera. 2011. How Language Shapes Thought. Scientific American 304, 62.

Büro der zentralen Frauenbeauftragten an der Humboldt-Universität zu Berlin (Hg.). 2019. Sprache ist vielfältig – Leitfaden der HU für geschlechtergerechte Sprache.

Deutsches Studentenwerk (Hg.) 2013. Informationen für Studieninteressierte und Studierende mit Behinderungen und chronischen Krankheiten.

Di³ im Rahmen des Programms „Starker Start ins Studium“ und dem Studien-Service-Center der Goethe-Universität Frankfurt am Main ( Hg.) 2014. Barrierefreies Studium. Leitfaden für Lehrende der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Die Gleichstellungsbeauftragte der Universität zu Köln (Hg.). 2020. ÜberzeuGENDERe Sprache. Leitfaden für eine geschlechtersensible Sprache

Empfehlungen für eine geschlechtergerechte Verwaltungssprache. Informationsflyer der Landeshauptstadt Hannover (2019).

Gabriel, Ute; Pascal Gygax; Sarrasin, Oriane; Garnham, Alan; Oakhill, Jane. 2008. Au pairs are rarely male: Norms on the gender perception of role names across English, French and German. Behavior Research Methods 40, 206-212.

Genderleicht.de. Ein Projekt des Journalistinnenbunds.

GEND - O - Mat. Ein interaktives Projekt des Gleichstellungsbüros der Bauhaus Universität Weimar

Geschickt Gendern – Das Genderwörterbuch.

Gygax, Pascal; Gabriel, Ute; Sarrasin, Oriane; Oakhill, Jane; Garnham, Alan. 2008. Generically intended, but specifically interpreted. When beauticians, musicians, and mechanics are all men. Language and Cognitive Processes 23, 464-485.

Koordinationsbüro für Frauenförderung und Gleichstellung der Technische Universität Berlin. 2020. Geschlechtersensible Sprache – Ein Leitfaden. Zweite aktualisierte Ausgabe. Berlin: Technische Universität Berlin.

Lebert, Andreas; Zeug, Katrin. 20.07.2016. Lann Hornscheidt: „Es ist eine Frage der Zeit, bis wir bei der Geburt kein Geschlecht mehr zugewiesen bekommen“. Die Zeit. 

Nacro, Sanata; Fuhrmann, Larissa; Simon, Ilka. 2013. Leitfaden für einen rassismuskritischen Sprachgebrauch. Handreichung für Journalist_innen (Hg.) AntiDiskriminierungsBüro Köln, Öffentlichkeit gegen Gewalt e.V.

Nacro, Sanata; Fuhrmann, Larissa; Simon, Ilka. 2013. Sprache schafft Wirklichkeit. Glossar und Checkliste zum Leitfaden für einen rassismuskritischen Sprachgebrauch. Hrsg. AntiDiskriminierungsBüro Köln, Öffentlichkeit gegen Gewalt e.V.

Netzwerk Leichte Sprache.

Neue Deutsche Medienmacher. 2018. Glossar.

Projekt Lern- und Erinnerungsort Afrikanisches Viertel (LEO) beim Amt für Weiterbildung und Kultur des Bezirksamtes Mitte von Berlin und Elina Marmer (Hg.) Autor*innenkollektiv. 2015. Rassismuskritischer Leitfaden. Berlin.

Pusch, Luise F.1990. Alle Menschen werden Schwestern. Frankfurt a.M.

Redaktion Leidmedien. 2012. Leidfaden.

Schulz von Thun Institut für Kommunikation. o. J. Das Kommunikationsquadrat.

Stahlberg, Dagmar; Sczesny, Sabine. 2006 [2001]. Effekte des generischen Maskulinums und alternativer Sprachformen auf den gedanklichen Einbezug von Frauen. Psychologische Rundschau 52: S. 131-140. https://doi.org/10.1026//0033-3042.52.3.131.

Stefanowitsch, Anatol. 2012. Das generische Maskulinum. Link zu Youtube-Video.

Stefanowitsch, Anatol. 2011. Frauen natürlich ausgenommen. Sprachlog.

Stefanowitsch, Anatol. 2015. Geschlechtergerechte Sprache und Lebensentscheidungen. Sprachlog.

Stefanowitsch, Anatol. 2018. Eine Frage der Moral: Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen. Duden Verlag.

Triq - TransInterQueer e.V. (Hg.) 2014. Trans* in den Medien. Informationen für Journalist_innen.

Vervecken, Dries; Hannover, Bettina. 2015. Yes I Can! Effects of Gender Fair Job Descriptions on Children’s Perceptions of Job Status, Job Difficulty, and Vocational Self-Efficacy. Social Psychology 46. S. 76-92. https://doi.org/10.1027/1864-9335/a000229



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