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Othering erkennen und vermeiden

Immer wieder kommt es vor, dass Studierende als 'besonders' – und damit als nicht der Norm entsprechend herausgestellt werden. Die geschieht, indem ihnen eine 'exotische' Herkunft, außergewöhnliche Bedürfnisse oder Fähigkeiten oder grundlegende Andersartigkeit unterstellt und in den Mittelpunkt gerückt wird. Dabei ist es egal, ob diese herausgestellten Eigenschaften positiv oder negativ bewertet werden. In den meisten Fällen geht das 'Anders-Machen', das Ausnehmen Einzelner von einer allgemeinen Norm, jedoch mit einer Abwertung der 'Anderen' und mit der Aufwertung der Eigengruppe einher. Diesen Prozess nennt man auch "Othering“.

In der Lehre kann darauf geachtet werden, möglichst kein Othering passieren zu lassen. Sie können beispielsweise darauf verzichten, Studierende in einer von Ihnen angenommenen Identität zu adressieren, oder ihre Herkunft, ihr Geschlecht oder ihre sexuelle Orientierung in besonderer Weise herauszustellen. Dies wird erleichtert, wenn Sie – unterstützt vom universitären Umfeld – von einer vielfältigen Norm ausgehen, in der Verschiedenheit normal ist.

In Workshops oder kollegialer Beratung können Sie ein solches didaktisches Handeln einüben. Die Methodenreflexion gibt hier ebenfalls Anhaltspunkte.


Weiteres dazu unter: Starterkit, Methoden

Literatur:

Beauvoir, Simone de. 1995. Das andere Geschlecht: Sitte und Sexus der Frau. 29.-32. Tsd. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.

Eggers, Maureen Maisha. 2005. Rassifizierte Machtdifferenz als Deutungsperspektive in der kritischen Weißseinsforschung in Deutschland. Zur Aktualität und Normativität diskursiver Vermittlungen von hierarchisch aufeinander bezogenen rassifizierten Konstruktionen. In Mythen, Masken und Subjekte. Kritische Weißseinsforschung in Deutschland, Hrsg. Maureen Maisha Eggers, Grada Kilomba, Peggy Piesche, und Susan Arndt. Münster: Unrast Verlag.

Said, Edward W. 2009. Orientalismus. Frankfurt am Main: Fischer.