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Seit wann ist Anti-Diskriminierung als bildungspolitisches Ziel verankert? Durch welche Gesetze ist Gender- und Diversity-Kompetenz als übergeordnetes Thema in der Lehrkräftebildung festgeschrieben? Welche Empfehlungen und Richtlinien gibt es von bildungspolitischen Gremien? Hier finden Sie Antworten auf diese Fragen.

Bildung ist in Deutschland aufgrund der föderalen Struktur Ländersache. Für übergeordnete Richtlinien und Beschlüsse zuständig ist die Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KmK), in der Bildungsminister*innen bzw. -senator*innen regelmäßig zusammenkommen. Die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz (SWK) berät seit 2021 die Länder zur Weiterentwicklung des Bildungswesens.

Dem Thema Vielfalt und Anti-Diskriminierung widmete sich die KmK bereits in ihrem Beschluss Interkulturelle Bildung und Erziehung in der Schule von 1996. Dort wird „Vielfalt als Normalität und Potential“ von Schule benannt. Aufgabe sei zudem, Diskriminierung gegenüber Individuen oder Gruppen entgegenzuwirken und ausgrenzende „Strukturen, Routinen, Regeln und Verfahrensweisen“ zu überwinden.

Auch die Bundesebene hat sich in gezielten Programmen dem Abbau von Bildungsungleichheiten verschrieben. Die auf zehn Jahre angelegte Initiative Schule macht stark (2021-2031) setzt auf eine enge Zusammenarbeit mit der Wissenschaft, die gemeinsam mit 200 beteiligten Schulen an passgenauen Lösungen und Entwicklungsperspektiven arbeitet. Das 2024 beginnende Startchancen-Programm widmet sich dagegen explizit der Unterstützung von Grundschulen in sozialen Brennpunkten, beispielsweise durch den Ausbau der Infrastruktur, der Umsetzung bedarfsgerechter Maßnahmen oder dem Aufbau multiprofessioneller Teams.

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Übergreifende Aufgaben der Schule sind in den jeweiligen Schulgesetzen der Länder festgeschrieben. Für das Land Berlin gilt aktuell folgende Formulierung.

Schulgesetz Berlin

§ 2, (1) Jeder junge Mensch hat ein Recht auf zukunftsfähige, diskriminierungsfreie schulische Bildung und Erziehung ungeachtet insbesondere einer möglichen Behinderung, der ethnischen Herkunft, einer rassistischen oder antisemitischen Zuschreibung, des Geschlechts, der Geschlechtsidentität, der sexuellen Orientierung, des Glauben, der religiösen oder politischen Anschauungen, der Sprache, der Nationalität, der sozialen und familiären Herkunft seiner selbst und seiner Erziehungsberechtigten oder aus vergleichbaren Gründen.                                                                                                                § 4, (2) Jede Schule trägt die Verantwortung dafür, dass die Schülerinnen und Schüler, unabhängig von ihren Lernausgangslagen, an ihrer Schule zu ihrem bestmöglichen Schulabschluss geführt werden. Die Schule ist inklusiv zu gestalten, so dass die gemeinsame Unterrichtung und Erziehung sowie das gemeinsame Lernen der Schülerinnen und Schüler verwirklicht, Benachteiligungen ausgeglichen und Chancengleichheit hergestellt werden. […] Schulen sind verpflichtet, Schülerinnen und Schüler vor Diskriminierungen wegen der in § 2 Absatz 1 genannten Gründe zu schützen. [...]

Schulgesetz Brandenburg

§ 3 (1) Die Schulen sind so zu gestalten, dass gleicher Zugang, unabhängig von der wirtschaftlichen und sozialen Lage, der nationalen Herkunft, der politischen oder religiösen Überzeugung und des Geschlechts, gewährleistet wird. Es ist Aufgabe aller Schulen, jede Schülerin und jeden Schüler individuell zu fördern. Schülerinnen und Schüler mit besonderen Begabungen, sozial benachteiligte Schülerinnen und Schüler sowie Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen sind besonders zu fördern.              § 4 (4) Die Schule wahrt die Freiheit des Gewissens sowie Offenheit und Toleranz gegenüber unterschiedlichen kulturellen, religiösen, weltanschaulichen und politischen Wertvorstellungen, Empfindungen und Überzeugungen. Keine Schülerin und kein Schüler darf einseitig beeinflusst werden. Keine Schülerin und kein Schüler darf wegen der Abstammung, Nationalität, Sprache, des Geschlechts, der sexuellen Identität, sozialen Herkunft oder Stellung, einer Behinderung, der religiösen, weltanschaulichen oder politischen Überzeugung oder aus rassistischen Gründen bevorzugt oder benachteiligt werden. Einer Benachteiligung von Mädchen und Frauen ist aktiv entgegenzuwirken.

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Ziele und Inhalte des Schulunterrichts werden in Rahmenlehrplänen der einzelnen Bundesländer festgelegt. Neben Wissenserwerb und fachspezifischen Kompetenzen nennt der ergänzende Rahmenlehrplan von Berlin und Brandenburg 13 übergreifende Themen, die sowohl in den einzelnen Fächern als auch im fachübergreifenden Unterricht berücksichtigt werden sollen. Ziel ist, Schüler*innen Kernkompetenzen zu vermitteln, die auf den Umgang mit zukünftigen gesellschaftlichen Herausforderungen vorbereiten.

Folgende, im Rahmenlehrplan genannten übergreifende Themen, sind hinsichtlich der Integration einer Gender- & Diversity-perspektive relevant:

  • Bildung zur Akzeptanz von Vielfalt
  • Gleichstellung und Gleichberechtigung der Geschlechter
  • Interkulturelle Bildung und Erziehung
  • Sexualerziehung/Bildung für sexuelle Selbstbestimmung

Zusätzlich gibt es große Schnittmengen zu folgenden weiteren übergreifenden Themen:

  • Demokratiebildung
  • Gewaltprävention
  • Kulturelle Bildung
  • Nachhaltige Entwicklung/Lernen in globalen Zusammenhängen
  • Europabildung
Der Rahmenlehrplan präzisiert für jedes der übergreifenden Themen die damit verbundenen Kompetenzen und gibt Anregungen für die fachliche und fachübergreifende Unterrichtsgestaltung. Für das Thema „Bildung zur Akzeptanz von Vielfalt“ steht die Zielkompetenz „diversitätssensibel und inklusiv handeln“ im Mittelpunkt. Dies umfasst eine reflektierte Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen und bestehenden Vorstellungen von Normalität und Abweichung ebenso wie die Entwicklung einer menschenrechtsbasierten Haltung im Umgang mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden.

In der Datenbank Übergreifende Themen des Bildungsserver Berlin-Brandenburg finden Sie für jedes Querschnittsthema weiterführende Informationen wie Handreichungen, Fortbildungen und Beratungsstellen. Für einzelne übergreifende Themen stehen zudem Orientierungs- und Handlungsrahmen für die Implementierung im Unterricht zur Verfügung.

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Der Abbau von Diskriminierung in Forschung und Lehre ist als übergreifende Aufgabe von Universitäten bereits in einigen Hochschulgesetzen verankert. Unter dem Titel Hochschule der Vielfalt werden beispielsweise in §5b des Berliner Hochschulgesetzes (BerlHG) die Hochschulen darauf verpflichtet, Lehrpersonal dabei zu unterstützen, „ein diskriminierungssensibles und gleichberechtigtes Lehr- und Lernumfeld zu schaffen.“

Expliziter auf die Lehrkräftebildung zugeschnitten ist der gemeinsame Beschluss von Kultusministerkonferenz (KmK) und Hochschulrektorenkonferenz (HRK) Lehrerbildung für eine Schule der Vielfalt. Die Vorbereitung auf einen professionellen Umgang mit Diversität wird hier als zentrale Aufgabe von lehramtsbezogenen Studiengängen benannt und in ihrer Umsetzung konkretisiert.

Zusammenfassend enthält die Empfehlung folgende Forderungen:

  • die Abstimmung zwischen Fachdidaktiken, Fach- und Bildungswissenschaften sowie der Sonderpädagogik zur Verankerung von Vielfalt als Querschnittsthema im Lehramtsstudium und entsprechender Weiterentwicklung der lehramtsbezogenen Curricula
  • die Entwicklung methodisch-didaktischer Konzepte für die zweite Phase der Lehrkräftebildung (Referendariat)
  • die Etablierung von Fort- und Weiterbildungen für bestehende Lehrkräfte
  • die Vernetzung von Hochschulen, Studienseminaren, Schulen, Fortbildungsinstituten und außerschulischen Kooperationspartner*innen
Erforderlich ist ein inneruniversitärer Diskurs von Bildungswissenschaften, Sonderpädagogik, Fachdidaktiken und Fachwissenschaften zur Weiterentwicklung der lehramtsbezogenen Curricula, der Veränderungsprozesse unterstützt und die positiven Ansätze in Forschung und Lehre durch Hochschulsteuerungsinstrumente stärkt und absichert. (Lehrerbildung für eine Schule der Vielfalt. Gemeinsame Empfehlung von Hochschulrektorenkonferenz und Kultusministerkonferenz, 2015: 3)

Abgebildet werden ein Teil dieser Empfehlungen im Lehrkräftebildungsgesetz des Landes Berlin (LBIG, 2014). In § 5 wird die Vermittlung von Gender- und Diversitätsbewusstsein als Kernkompetenz zukünftiger Lehrer*innen genannt, die sowohl in den Fachwissenschaften und ihren Didaktiken als auch in den Bildungswissenschaften während der ersten Phase des Lehramtsstudiums Berücksichtigung finden soll. §17 weist auf die Einrichtung von entsprechenden Fortbildungsveranstaltungen für bestehendes Lehrpersonal hin.

Auch die Lehramtszugangsverordnung (LZVO, 2014) des Landes Berlin betont in §5 den Erwerb lehramts- und fachübergreifendenr Qualifikationen aus dem Berliner Rahmenlehrplan, wie interkulturelle Bildungsarbeit, Gendermainstreaming und die Bildung zur Akzeptanz von Vielfalt.

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